KircheLiebe Gemeindeglieder und Besucher unserer Kirche,
anbei eine Zusammenfassung der Gedanken und Konzeptideen zum Begegnungsraum in der ev.-luth. Kirche Thalheim zur Kenntnis, zur Verinnerlichung, zur Weitergabe, zum Gebet und Grundlage des weiteren Handelns.

Erste Ideen zu einer separaten Nutzung des „Raumes“ unter der Orgelempore in unserer Kirche wurden bereits im Jahr 1994 entwickelt, als Pfarrer Straßberger die Möglichkeit einer flexiblen und vom Kirchenraum unabhängigen Raumnutzung unter der Orgelempore anregte. „Können Sie sich vorstellen, diesen Raum abzutrennen und anders zu nutzen?“, waren seine Worte. Die Gedanken und Ideen von Pfarrer Straßberger waren visionär -  eine Realisierung zur damaligen Zeit aber undenkbar.
Damals war die Kirche nach den Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen rasch wieder leer. Statt des apostolisch verkündeten und mehr als anderthalb Jahrtausende im Westen und heute noch ungebrochen in den östlichen Kirchen gelebten Gemeinschaftssinns, bestimmte zunehmend im 20. Jahrhundert ein individuelles Bedürfnis die protestantischen Gottesdienste - die Gottesdienstbesucher saßen vereinzelt in der Kirche - ein Begrüßungsdienst am Eingang war teils nicht erwünscht. Durch Pfarrer Mallschützke wurden auch andere Gottesdienstformen gefördert und durchgeführt - oft zu anderen Uhrzeiten. Ein Begrüßungsdienst zum Gottesdienst wurde eingeführt. Es begann sich eine neue Gesprächskultur zu entwickeln. Der Gedanke eines Begegnungsraumes wurde vorerst aber nicht weiter verfolgt. 

In den Zeiten der Pfarrer- und Kantorenvakanzen und der damit verbundenen selbständigen Gestaltung der Gottesdienste durch die Gemeindepädagogen, Kirchvorsteher und Hauskreise oft auch in anderen Formen, wuchs die Kerngemeinde enger zusammen und entdeckte trotz großer Unterschiedlichkeit der Begabungen und Ausrichtungen, eine alles entscheidende Gemeinsamkeit - die gemeinsame Liebe zu Christus, die unser Denken und Tun allein bestimmen soll und die ihren Ausdruck in Reichtum der Vielfalt der unterschiedlichen Formen finden kann. Vielerlei Gottesdienste in unterschiedlicher Prägung folgten und gaben Anlass zu Gesprächen und Austausch direkt nach den Veranstaltungen. Auch die existentiellen gesundheitlichen Nöte einzelner Gemeindeglieder und dem dadurch wachsenden Interesse und der Anteilnahme aneinander, brachten unsere Gemeinde weiter zusammen. Den Nöten der Menschen in unserer Gemeinde wurde mehr Aufmerksamkeit entgegengebracht und für diese gemeinsam gebetet und eingestanden. Nach dem Gottesdienst, wenn viele Gemeindeglieder beisammen sind, ist Zeit, dies gemeinsam zu bedenken, einander Zuspruch zu geben und sich miteinander zu koordinieren. Ein alter Reichtum der Gemeinden wurde wiederentdeckt. Neben den bestehenden Hauskreisen wurde ein neuer Gebetskreis gegründet der sich speziell den aktuellen Anliegen der Gemeindeglieder widmet. Ein altes Wagenrad wurde zum lebendigen Symbol für unsere Gemeinde.  Alle Speichen führen zur Mitte zu – wir dürfen trotz aller Unterschiedlichkeit gemeinsam zur Mitte  - Jesus Christus - schauen und uns in Ihm treffen. Dieses Symbol wurde auch zum wichtigsten Kriterium im offiziellen Ausschreibungstext auf der Suche nach einem neuen Pfarrer.

Pfarrer Weber und seine Frau begannen an dieser Stelle mit Ihrer Arbeit und wurden so zu lebendigen Menschenfischern um Gott und Menschen zueinander zu bringen. Sie laden dazu ein, einander von Ihren Glaubenserfahrungen, Geschicken und Missgeschicken zu erzählen, und dadurch andere zu ermutigen, neue Schritte zu gehen und damit auch Veränderungen zuzulassen. Der Begegnungsaspekt spielt dabei inzwischen eine tragende und ausgeprägte Rolle. Unsere Gottesdienstgemeinde entwickelte sich in den letzten 30 Jahren von einer Gemeinde mit meist voneinander distanzierten Gemeindegliedern zu einer Begegnungsgemeinde. Durch unterschiedliche Gottesdienstformen und musikalische Ausgestaltungen entstand in den letzten Jahren auch ein Bedürfnis, sich zwischen den „neuen Akteuren“ und der Gemeinde auszutauschen, „angesprochen zu sein“, Interesse oder Nachfragen an „das Neue“, und die Gedanken und Motivation, warum wir andere Formen probieren und weiter nutzen möchten, miteinander zu teilen. Als besonders hilfreich dafür wurde eine Tasse Kaffee oder Tee empfunden – man konnte sich nebenbei an „etwas festhalten“ und gleichzeitig ein offenes Gespräch führen oder sich für etwas interessieren. Essen und Trinken stiftet seit jeher Gemeinschaft.

Die Gottesdienstfeier mit ihren neu gestalteten Elementen an sich und ein häufigeres Begegnen in der Gemeinschaft beim „Abendmahl im Gottesdienst“, hat das Zentrum der Gemeinde wieder mehr auf den „Sonntag in der Kirche“ verschoben. Der Teilhabe und Begegnung im Altarraum darf eine anschließende intensivere Begegnung der Menschen untereinander folgen. Durch Gespräche wurde deutlich, dass das „Kirchenkaffee“ noch größere Perspektiven bietet. Bei entsprechenden räumlichen Möglichkeiten, sind bereits weitere Impulse während des Kirchenkaffees - Gedanken zum Gottesdienstthema oder Predigtnachgespräche - geplant. Einige Gemeindegliedern bemerkten, dass sie selbst einige Male nicht zum Kirchenkaffee gehen konnte, obwohl sie wollten, weil durch die bedrängten Verhältnisse kein „Rankommen“ möglich war – sie gingen einfach nach Hause. 

Eine Entdeckung ist, dass das gemeinsame Kaffeetrinken ebenfalls in der arabischen Kultur stark verwurzelt ist. Man lädt sich einfach zu einer Tasse Kaffee ein, um in ein lockeres Gespräch zu kommen. Dort gibt es auch den Dienst „Coffeeshop ministries“. Dies erklärt auch die Beteiligung unserer Gäste aus dem arabischen Sprachkreis. Für alle neu zur Gemeinde gekommenen Flüchtlinge, ist der Austausch und die Kontakte nach dem Gottesdienst eine der wichtigsten und notwendigsten Möglichkeiten für einen Beziehungsaufbau mit der Gemeinde. Ausgehend von den letzten Konzerten und den im Anschluss an die Konzerte organisierte Begegnung mit den Künstlern, ist hier ebenfalls die Nutzung selbstredend.

In vielen Gemeinden außerhalb Europas gibt es neben dem geweihten Gottesdienstraum - da wo Gottesdienst und Anbetung stattfindet (sanctuary / worship) - auch einen Gemeinderaum (fellowship hall), wo man einander begegnet, miteinander isst und auch eine Zeit dort verweilt. Dies baut auf eine bewährte Traditionen der apostolischen Zeit und der Urchristen auf, die Kirche als Haus Gottes und damit auch als Ort der Liebe Gottes, der Gemeinschaft mit ihm, aber auch der Gemeinschaft zwischen seinen Gläubigen und somit als Verkündigungs- und Begegnungsstätte zugleich verstanden haben. Da wir keine separaten Möglichkeiten zur Verfügung haben, bzw. deren Nutzung sich durch das Überqueren der Chemnitzer Straße schwierig gestaltet, verbinden wir mit unserer Konzeption Gottesdienstraum und Begegnungsraum - „offen“, aneinander grenzend, zusammengehörig, aber doch voneinander "getrennt" unter einem Dach.

Der Begegnungsraum darf eine Schnittstelle, eine Schwelle zwischen drinnen und draußen, zwischen Institution und Freiheit, zwischen Himmel und Erde werden. Ein unverbindliches Stehenbleiben können, ein Beobachten aus der „Ferne“, lädt zum späteren Hinsetzen - einem zu Hause sein - ein. Wir brauchen Raum um ankommen zu können. Die Erfahrung zeigt: “Die besten Gespräche finden zwischen Tür und Angel statt.“ Bis jetzt musste der Altarplatz "herhalten", um die Gesprächsteilnehmer zu fassen. Die Gänge im Kirchenschiff oder auch die Sitzreihen sind zu eng, um eine ungestörte und ausgiebige Kommunikation stattfinden zu lassen. Künftig kann der Altarbereich wieder stärker als Bereich der Stille und des Gebets fungieren und es kann dort nach dem Gottesdienst die Möglichkeit für gemeinsames Gebet und für Seelsorge angeboten werden. Die Konzeption Begegnungsraum in der Kirche wurde bereits mit der Ev. Jugendarbeit, Region Stollberg, und den Mitarbeitern der Insel in Adorf besprochen und als sehr gut befunden. Der Umzug der Jugendgottesdienste "Open Heaven" in die Kirche nach Thalheim führte auch zu einer Neubewertung dieses Raumkonzeptes.

In unserem Gemeindeleitbild steht: „Wir unterstützen Menschen in ihrer persönlichen Gottesbeziehung. Wir laden ein und öffnen Raum für vielfältiges Wachstum“. In diesem Sinn lasst uns diesen Raum als offenen Raum, als Platz zur Begegnung, zum Gespräch und für weitere Überraschungen öffnen.

Zur Schaffung eines solchen Raumes werden folgende Schritte realisiert:
Baulich wird nach bereits erfolgtem Ausbau der Kirchenbänke der Fußboden auf das Niveau der Mitten- und Seitengänge gebracht. In diesem Zusammenhang wird in Erfahrung gebracht, welcher Aufwand nötig ist, um vier der letzten Säulen im Raum zu entfernen und dies auch zu realisieren.
Der Begegnungsraum wird in das neu gestaltete Lichtkonzept der Kirche eingebunden. Er dient auch optisch zum Ankommen und darf weiter in die Kirche hineinführen, um dann den Blick zu dem dann deutlich helleren Altarraum mit Altar und Kreuz zu konzentrieren.

Im Sinne der Nutzung nach dem Gottesdienst als Begegnungsraum, darf der Raum mit seiner Mischung aus direktem und indirektem Licht anziehen und zum Verweilen und Begegnen einladen. Wir schaffen Möglichkeiten, Ausstellungsstücke im Raum und an den Wänden separat zu beleuchten. Diese möchten zum Innehalten davor und zum Gespräch darüber einladen. Ein fest installierter Beamer an der Decke, kann wichtige Informationen für die Gemeinde, neue Termine oder auch Rüstzeitbilder an eine Rückwand projizieren.

Wir werden für den Begegnungsraum zwei flexible, verschiebbare Schrankmöbel mit einer großen „Arbeitsfläche“ bauen. Diese werden als Büchertisch, Theke (Kirchenkaffee, …), CD-Verkaufstisch und Eintrittskartenverkauf bei Konzerten oder einfach nur als Arbeits- und Ausstellungsfläche für die jeweiligen Veranstaltungen genutzt. In den Tischmöbeln sind ausreichend Lagerungsfächer vorhanden. 
Der Begegnungsraum erhält zusätzlich zwei kleine Lautsprecher, um eine separate wie auch gemeinsame Beschallung in der Kirche zu ermöglichen. Nicht nur bei Jugendgottesdiensten kann der Raum der Begegnung für Gemeinschaft, Austausch und Gespräche auch mit separater Hintergrundmusik genutzt werden – und der Altarbereich wird für Stille, Seelsorge und Gebetsanliegen frei gehalten.

Stellvertretend als Mitglieder vom Kirchenvorstand und Mitarbeiter im Bauausschuss

Erik und Simone Lehmann
Christoph Weber
Raymond Plache
Steffen Toth