predigtfür die Predigt kann ich anknüpfen an die einführenden Worte zu Liturgie und Abendmahlsfeier: Wie frei sind wir, diese zu gestalten „wie wir wollen“? Oder legt nicht die Agende fest wie ein Gesetz, was wir sollen. Darf ich mich als Pfarrer über das Gottesdienstbuch mit den sächsischen Anmerkungen, wie es die Landessynode beschlossen hat, „hinwegsetzen“? Kann doch nicht sein …! Oder ist vielleicht eine solche Einschränkung eine Einschränkung der Freiheit der Kinder Gottes? Wenn mir nun der „Geist“ etwas anderes eingibt? Warum eigentlich nicht? Und steht dann nicht der Geist über dem Gesetz?

Ich erinnere mich einer Episode, die bald 30 Jahre zurück liegt – aber der eine Satz geht mir noch immer nach …

Ich war in Warren, Minnesota, nicht weit von der Grenze nach Kanada und im Westen nach Nord-Dakota. Der Gast­geber-Vater, Richter im County – stellte seinen damals 16/17-jährigen Sohn zur Rede, der gerade erst die Fahrer­laubnis bekommen hatte. Er hatte ihn beim Autofahren im Ort gesehen und befand, dass er schneller unterwegs war als die erlaubten 30 Meilen/Stunde. Und der Sohn hatte kaum angefangen, seine Ausflüchte und Begründungen vorzubringen, da sagte der Vater nur: „It is the law“ - das ist Gesetz. Und ohne Worte schwang mit: du wirst doch wohl kein Gesetzesbrecher sein - (und sollte es so sein, ich würde dich gnadenlos verurteilen). 

Das ist Gesetz – und das ist doch gut! Was wäre unser Straßenverkehr ohne gesetzte Regeln. Was wäre unser Miteinander ohne Gesetze, die das Recht eines jeden ein­zelnen festschreiben. Ja, sie beschränken die Freiheit des einzelnen, nach eigenem Gutdünken Schwächere zu miss­brauchen, auf Kosten anderer sich zu bereichern, usw.

Es ist das Gesetz, das die Grenze zieht zwischen gut und böse. Und auf Grund des Gesetzes gibt es Strafe oder Anerkennung.

Ich will uns ein paar Verse aus der Bibel lesen, in denen es auch um das „Gesetz“ geht und uns Menschen:

Römer 7,14-25a

Der Apostel Paulus schreibt im Brief an die Römer, dass wir Menschen „unter dem Gesetz“ leben. Dieses Gesetz freilich zeigt nicht nur einen guten Weg auf, indem es sagt, was ich tun soll; sondern es überführt mich auch und klagt mich an, wenn ich mich mit meinem Tun darin wie im Spiegel  sehe und festellen muss: ich erfülle die Forde­rung nicht. Dann bin ich überführt und das Gesetz verur­teilt – insofern führt es zum Tod. 

Paulus klagt dann über diese Zerissenheit in sich und ein generelles Unvermögen, das Gesetz zu erfüllen. Das liegt an der Sünde. Die Geschichte vom „Sündenfall“ ganz am Anfang der Bibel ist dafür nicht der Grund -  aber diese Geschichte beschreibt das grundlegend menschliche Di­lemma: welcher Stimme folge ich? Höre und befolge ich die Stimme Gottes? Leitet mich der Heilige Geist? Oder folge ich anderen „Einflüsterungen“, die so an die Stelle Gottes treten. Martin Luther beschreibt das im Großen Ka­techismus zum ersten Gebot – frei wiedergegeben: ver­traust und folgst du dem Gott, der dich geschaffen hat und sich fortdauernd in Güte dir zuwendet? Oder miss-traust du deinem Schöpfer  und setzt dich selber oder an-dere oder anderes an diese Stelle Gottes für dein Leben? 

In meiner Existenz bin ich darin gefangen, entscheiden zu müssen zwischen gut und böse; wählen zu müssen: ver-traue ich Gott – oder folge ich der Verlockung, Gott zu misstrauen. 

Misstrauen trennt – trennt uns voneinander, trennt uns von Gott. Vertrauen ist grundlegend für Gemeinschaft. Das Gottvertrauen nennen wir unseren Glauben und beschrei­ben dann, warum wir Gott vertrauen und wie wir in sol­chem Gottvertrauen leben können und wollen.

Dabei lauert die Sünde vor der Tür. 

Naja, dann gehe ich eben nicht raus und vor die Tür, damit ich mit der Sünde nichts zu tun habe?

Weit gefehlt, denn wenn ich mich so dem Leben regel­recht „verweigere“, lass ich mich vom Misstrauen und der Angst gefangen nehmen, statt zu leben und Gott zu loben mit meinem Denken, Reden und Tun, und zu glauben, dass Gott nicht nur mein HERR, sondern auch der HERR der Welt ist, und kein Ort gottlos sein wird, nur Menschen fürchterlich gottlos handeln, so dass ich von Gottes Liebe nichts mehr sehen kann. Wenn Gott HERR der Welt ist, dann steht mir doch die Welt offen. Jesus sagt schön im Evangelium nach Johannes: Ich bin gekommen, dass sie das Leben in Fülle haben.

Die Frage ist: von welchem Geist lasse ich mich bestim­men? Ist es der Geist des Misstrauens oder der Geist des Vertrauens; der Geist der Angst, oder der Geist der Gnade; der Geist des Egoismus oder der Geist der Liebe – mit Paulus´ Worten: folge ich der Sünde, mit der ich verwach­sen bin, oder glaube ich der Liebe, die mich geschaffen hat und in Jesus Christus befreit hat. 

Lest doch dazu bitte im Römerbrief  - lest von unserer menschlichen Situation und von der Befreiung in Jesus Christus; lest von der Taufe und dem neuen Leben, in dem der Heilige Geist das Sagen hat.

Man kann schön einsetzen im Kap. 5:

„Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus“. 

Und dann bitte weiterlesen bis zum Schluss Kapitel 8:

„Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“

Gott allein ist Gott – in Jesus Christus uns offenbar gewor­den als Liebe. Und was sonst noch mit quasi göttlichem Anspruch auftritt, sind Götzen – Geschöpfe, die sich als Gott aufspielen. Sie werden vergehen – wie sollte ich de­nen vertrauen? 

Ach ja, das Gesetz – mir Sünder bringt es den Tod – es sei denn, es treibt mich zu Jesus Christus und so in die lieben-den Arme Gottes.

Amen.

zur Begrüßung:

die Abendmahlsfeier wird heute gleich nach der Eingangs­liturgie sein, damit wir Kinder nicht nur einladen, sondern Teilnahme und Teilhabe auch gut  ermöglichen.

In diesem Zusammenhang etwas zu den neuen und alten Formen – sei es bei der Eingangsliturgie wie auch in der Abendmahlsliturgie.

Grundsätzlich gilt doch: was zu sagen ist, nämlich die An­betung Gottes als erstes in der Gottesdienstfeier; und was uns Abendmahl bedeutet im Rückgriff auf die Bibel und im Kontext der weltweiten Kirche, das kann man mit neu­en und/oder alten Worten und Weisen sagen. 

Persönlich mag ich neues und probiere da auch gerne. Es ist freilich gar nicht so leicht, nicht „banal“ zu werden. 

Die alten Formen freilich wirken vielleicht „verstaubt“, haben sich aber irgendwie doch bewährt und in ihnen steckt der kirchliche Zusammenhalt drin. Nicht nur in Sachsen, auch deutschlandweit, ja weltweit steckt ein ho­her Wiedererkennungswert drin.

Kyrie eleison z.B. ist ja der Bekenntnis- und Anbetungsruf der ersten Christen und schon in der Bibel überliefert. Und ehrlich gesagt: Besser können wir es kaum ausdrücken – anders freilich ...

Also: Neues wagen und im Alten „vertraut“ sein. Um sol­ches „vertraut werden“ geht es, wenn wir auch mit den Kindern in den alten Formen Gottesdienst feiern.