predigtEph.1,3-14

Im christlichen Glauben dreht sich alles um Christus. Folglich spricht man ja auch vom „christlichen Glauben“.
Geht es dabei auch um Gott? Oder ist dieser Christus der neue Gott oder ein anderer Gott?


Der Sonntag Trinitatis, von dem die Annaberger Kät ja ih­ren Namen her hat (Dreieinigkeit, verkürzt auf erzgebir­gisch „de Kät“) - nun dieser Sonntag sagt uns und hält im Bewusstsein, dass das christliche Bekenntnis von dem einen Gott spricht, und von diesem einen Gott in dreierlei Weisen oder als Personen spricht: Vater – Sohn – Heiliger Geist. Wer eines oder zweierlei weglässt, reduziert das christliche Bekenntnis auf eine „Teilaussage“. Die ist „per se“ nicht falsch, weil ja etwas „wahres“ gesagt wird – aber zur Wahrheit gehört nach christlichem Bekenntnis eben noch mehr – gehört diese Dreieinigkeit.
Ja, es ist nicht meine Sprach- und Denkwelt, was da im 4.Jh. als christliches Bekenntnis festgeschrieben wurde, und damit bestehen Verständnisprobleme und die Frage: muss man es denn so und nur so sagen?
Naja, wir könnten es auch anders sagen – nur sollten wir schon auf die Bibel bezogen bleiben und eben nicht weni­ger sagen, nicht verkürzt reden, Gott nicht kleiner oder an­ders oder uns passend machen wollen, sondern da­von re­den, dass Gott uns Grund und Ursache der Erde und des Lebens ist; der wiewohl unsichtbar, doch wirkmächtig er­fahrbar ist in dieser Welt und im eigenen Leben eben durch den Heiligen Geist. Oder wie sonst wollen wir da­von reden, dass Gott durch einen anderen Menschen zu mir spricht; oder dass Gott ein Beziehungschaos befriedet; oder dass Gott Herr der Geschichte ist und führt und leitet.
Ja und dann haben wir doch davon zu reden, dass Gott nicht nur mir und der Welt gegenüber ist als der Schöpfer; und nicht nur in der Welt und in meinem Leben wirksam ist als der „Geist“, sondern dass Gott Mensch geworden ist in Jesus von Nazareth, der gekreuzigt wurde und den Gott auferweckt hat aus dem Tod und erhöht hat zu seiner Rechten über alle Mächte und Gewalten. Also wir müssen und wollen doch von Karfreitag, Ostern, Himmelfahrt und Weihnachten reden, weil Gott darin zu meinem Heil er­schienen ist und weil ich doch gerne sagen will, was Jesus mir bedeutet und wer er ist: der Christus als der Gottes­sohn; ganz Gott und ganz Mensch.
Ja und so sind wir „gedanklich“ bei der Trinität, in der nicht drei Götter irgendwie doch miteinander klar kom­men und nicht gegeneinander kämpfen wie in so mancher Göttererzählung, sondern als die drei nur der eine Gott sind.
Vielleicht ist eine Denkhilfe: wenn wir drei Farben neh­men und die miteinander mischen, so entsteht eine neue Farbe, die doch die drei Farben voll und ganz enthält, ob­wohl es gar nicht danach aussieht. Diese drei sind also eins und dieses eine sind die drei. Nehme ich eine Farbe weg, wird etwas anderes daraus. Also nur so: die drei sind eins – und der eine Gott ist Vater, Sohn und Heiliger Geist.

In den vergangenen 2000 Jahren, also in der Geschichte der Kirche hat sich gezeigt, dass jede Vereinseitigung oder Überbetonung fatale Folgen hat:
Vergessen wir den Vater, Schöpfergott, dann werden wir „weltfrend“ oder machen uns selbst zum Schöpfer – der Turmbau zu Babel lässt grüßen.
Vergessen wir Jesus Christus, den Gottessohn, verlieren wir christliche Identität und es gibt für uns kein Heil; oder nennen wir es Erlösung. Dann müssten wir Juden werden oder sein.
Vergessen wir den Heiligen Geist, dann rechnen wir nicht mehr mit Gott hier und jetzt; dann wären wir in unserer Angst allein und in unserem Glück gottlos. Es wäre frei­lich nicht der Heilige Geist, wäre er ohne Vater und Sohn!
Der Brief an die Christen in Ephesus stellt im gelesenen Abschnitt heraus, welch überragende Bedeutung Jesus als der Christus für uns hat: durch ihn sind wir durch Gott erwählt zu seinen Kindern; durch ihn gibt es Vergebung der Sünde und Gemeinschaft zwischen Mensch und Gott;
durch ihn steht der Himmel offen und sind wir befreit zum Leben in Liebe und Gerechtigkeit; durch ihn ist uns der Heilige Geist geschenkt, dass er uns erfüllt und glauben lässt. Da dreht sich alles um Jesus, den Christus – und doch schon in diesem Brief und noch lange bevor man in der Kirche von der „Trinität“ spricht, ist doch von diesen dreien die Rede: von Jesus als dem Christus ausgehend das Handeln Gottes zu unserem Heil in und durch Jesus, den Christus; und dass wir uns das nicht erträumt haben, sondern glauben und Gott die Ehre geben, liegt am Heili­gen Geist.

Durch den dreieinigen Gott gibt es den offenen Himmel und die Gotteskindschaft für jeden Menschen. Sinnbild­lich und erfahrbar wird es für jeden Menschen in der Tau­fe. Da feiern wir das Leben als Gottes Geschenk, empfan­gen die Gotteskindschaft und damit höchste menschliche Würde; und die Gotteskindschaft geht einher mit Verge­bung und erfüllt werden mit dem Heiligen Geist. Und schon im Evangelium nach Matthäus haben wir diese trinitarische Formel zur Taufe: „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Nur so und in Ver­bindung mit dem Wasserritus ist es eine christliche Taufe und das Geschenk der Gotteskindschaft.

Nun haben wir keine so ausgewiesene trinitarische Formel bei der Abendmahlsfeier. Aber doch danken wir Gott für die Gaben der Schöpfung, für Brot und Wein und mensch­liche Arbeit. Und wir bitten um den Heiligen Geist, damit wir diese Gaben unter dem Wort Gottes in der Gemein­schaft als Kirche auch im Glauben empfangen und darin Jesus Christus empfangen. Lassen wir da Gott, den Vater weg, dann wissen wir nicht, was wir essen oder sehen uns selbst als Schöpfer. Fehlte Gott, der Heilige Geist, wären wir ungläubig und könnten den Worten „Christi Leib und Blut für dich vergeben und vergossen“ nicht trauen. Und Jesus Christus, Gottes Sohn in unserer Mitte, ohne den wäre es keine Abendmahlsfeier.

Ja, es mag eine eigenartige Rede von Gott sein und blei­ben, wenn wir den dreieinigen Gott bekennen. Aber anders ist immer irgendwie zu wenig gesagt von Gott und unse­rem Glauben.
Lasst uns noch einmal die Zeilen aus dem Epheser­brief hören und vielleicht ja erfüllen uns diese Worte mit eben solcher Begeisterung, in und mit der sie geschrieben sind:
Textlesung: Epheser 1, 3-14