predigt

1.Kor.2,12-16

Liebe Gemeinde,

der Heilige Geist ist hoch im Kurs in der jungen christli­chen Gemeinde in Korinth – das lässt der erste Brief, den Paulus dieser Gemeinde schreibt und darin auf verschiede­ne Anfragen direkt antwortet, erkennen.

Über die „Gaben des Geistes“ wird er 3 Kapitel lang schreiben und dabei die LIEBE ins Zentrum stellen. Denn eine unangenehme, ja aus Sicht des Apostel Paulus ganz falsche Begleiter­scheinung hatte diese Geist-Konjunktur in Korinth: einzel­ne hielten sich für besonders geistbegabt und meinten na­türlich auch, dadurch entsprechend viel Einfluss auf die Gemeinde zu haben. Da rückt der Aposten die Prioritäten zurecht – keineswegs gegen den Heiligen Geist, aber durch den Hinweis auf das, was dieser Geist groß macht und unter uns present macht und für uns erfahrbar macht – nämlich das „Wort vom Kreuz“. Alle christliche Botschaft und Kirche muss immer davon ausgehen, dass Jesus von Nazaret, den wir als den Christus bekennen, dass er am Kreuz hingerichtet wurde – zu Unrecht und eben durch einen Justizmord – aber in den Augen Gottes als das Op­ferlamm, das für die Sünde der Welt stirbt, und wir durch ihn erlöst sind. Freilich ist er nicht allein für uns gestor­ben, wie der Apostel im 1. Kapitel sofort heraus stellt, sondern Gott hat ihn auferweckt und er lebt in Ewigkeit - so die zuletzt behandelte Frage aus der Ge­meinde im 15. Kapitel des Briefes. Kreuzestod und Auferstehung als das „A“ und „O“!

Das „Wort vom Kreuz“ - was soll das? Es macht doch kei­nen Sinn, dass ein Mensch stirbt und alle werden gerettet? Wie viele Menschen wurden schuldlos ermordet. Viel­leicht hat ihre Lebenshingabe das eine oder andere Leben gerettet, vielleicht sogar viele – aber keines ist doch für die Menschheit oder gar für die Ewigkeit. Also das muss man schon mal realistisch, vernünftig verstehen ...
Die Erinnerung Jesu an die prophetische Kritik und damit seine Kritik an Missständen seiner Zeit und Welt, bleibt wichtig. Ja seine Zusammenfassung der Gebote in den Worten „liebe Gott und deinen Mitmenschen wie dich selbst“; also an das, was dem Judentum wesentlich ist, das bleibt wichtig. Seine Art zu leben ist beispielhaft und wirkt befreiend: seine Wertschätzung für Kinder und Frau­en; sein Einsatz für Gescheiterte und Ausgegrenzte; seine Grenzüberschreitungen, die der Liebe kompromisslos Ge­stalt geben; sein Frieden. Na das ist schon ganz schön viel – aber Jesus als Heiland, als Christus, als Gott – ist das nicht überzogen und unvernünftig? Wer soll sich denn dar­auf einlassen?

Das Wahrheitskriterium in dieser Sache ist für Paulus nicht die Plausibilität. Und er weiß, dass er mit seinen Worten keinen Menschen von diesem Glauben überzeugen kann. Einerseits: tot ist tot – und Jesus ist nun mal am Kreuz gestorben. Andererseits ist alles „vergotten“ eines Menschen doch Gotteslästerung. Und dass es Kirche gibt, gehört in den Bereich der Religionsgeschichte, auch dass Ideen, werden sie publik gemacht und authentisch vertre­ten, eine Bewegung auslösen und eine weltgeschichtliche Größe werden können.
Das Wahrheitskriterium in dieser Sache ist für Paulus der Heilige Geist. In und mit diesem Geist ist Gott gegenwär­tig wie die Luft, die wir atmen; wie die Kraft durch die wir arbeiten; wie der Trost, mit dem wir Leid tragen und Zuversicht finden; wie die Liebe, die beglückt und moti­viert und Beziehung schafft.
Paulus versucht gar nicht erst, irgendwelche „Beweise“ vorzubringen – denn Beweise sind doch für unsere Ver­nunft zwingend – mindestens bis zum Gegenbeweis, und eben auch darum für den Glauben kein brauchbares Fun­dament: noch viel zu unsicher. Das Fundament ist und kann nur sein: Gott selber – Gott selber im Heiligen Geist. Und wen wunderts, dass das der Geist ist, der in Jesus, dem Christus, lebendig und gegenwärtig war.

Paulus scheint überzeugt: der Mensch hat keine natürliche Veranlagung zum Christusglauben – schränken wir es ruhig darauf ein. Wir kommen nicht von uns aus zu dem Schluss, dass Jesus von Nazaret, ja der Gekreuzigte, eben der Christus ist.
Wir kommen dazu, indem Gott sich uns offenbart, indem der Geist Gottes, und in bzw. durch ihn ja Gott selbst, uns zum Glauben erweckt. Die Wahrheit über Jesus als den Christus erschließt sich uns nicht logischerweise, son­dern ist ein Offenbarungsgeschehen, dem wir glauben; so sehr glauben, dass es lebensbestimmend wird; so sehr glauben, dass wir davon erzählen müssen; so sehr glauben, dass es unser Leben bedeutet und solcher Glaube zur Hin­gabe be­freit und zu bedingungsloser Liebe befreit. Das Leben fin­det seinen Grund und Halt in Gott, weiß sich be­dingungslos geliebt in Jesus Christus und ist erfüllt durch den Heili­gen Geist. So wird es durch den Christus-Glau­benden be­zeugt und gelebt.

Dieses geistliche Leben, diese Glaubensexistenz vollzieht sich freilich in Raum und Zeit und unter den Bedingungen unseres Menschseins – auch mit Zweifel und Angst, Leid und Schuld, das Gute wollen und dann doch nicht voll­bringen. Darum bleibt Vergebung wichtig und Hoffnung und eben Liebe. Denn das durch die Glaubensoffenbarung bestimmte neue Leben ist eben wie ein Schatz im irdenen Gefäß.
Paulus nennt das die Weisheit Gottes – dass Gott sich so auf die Welt einlässt und Mensch wird. Das ist die Weis­heit und die Botschaft, von der der Apostel selbst er­griffen ist und die er bezeugt hat und bezeugt. Mit seinen Worten: Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, nämlich Jesus Christus.

Zu Pfingsten, liebe Gemeinde, feiern wir darum nicht uns als außergewöhnliche Leute, sondern feiern in großer Dankbarkeit und mit Lobgesang für Gott das Wunder, dass Gott sich uns offenbart hat, in uns Glauben geweckt hat; ja dass das Geschenk unserer Taufe Früchte trägt.
Amen.