predigt

Eph.4,11-16

Bitte mal nachdenken und für sich selbst beantworten:
1. Was kann ich gut? Wozu bin ich begabt/talentiert?
2. Was mache ich gerne? Was geht mir leicht von der Hand, macht Spaß, gelingt mir gut?
3. (Vielleicht hat das mit meinen Talenten zu tun; vielleicht mit dem Erfolg, Ertrag, Rückmeldungen; vielleicht mit meinen Wünschen und Zielen und Wertvorstellungen.
4. Welchen Sinn hat oder erfüllt das, was ich tue – sei es, dass ich es gut kann oder dass ich es gerne tue?


Die Frage nach dem Sinn:
Es wird erzählt vom Bau einer Kathedrale, dass eines Tages der Bischof die Baustelle besichtigt. Als er zu den Steinmetzen kommt, fragt er den ersten: Was tust du hier?
Tja, ist dieser Steinmetz nun auf Bischöfe nicht gut zu sprechen oder fühlt er sich bei der Arbeit gestört oder findet die Frage einfach lächerlich, denn es ist doch offensichtlich, was er tut … Er antwortet etwas mürrisch: „ich behaue Steine“.
Naja, der Bischof ist es zufrieden oder auch nicht – er geht weiter und fragt den Nächsten: Was tust du hier?
Er hat das von seinem Vorgänger gar nicht mitbekommen, war in seine Arbeit vertieft. Jetzt unterbrach er sich, als der Bischof ihn fragte, betrachtete den Stein und sagte dann mit sichtlichem Stolz: „ich fertige die Stifterfigur“. Und schon machte er weiter …
Der Bischof war´s zufrieden oder auch nicht – er geht weiter und fragt den Nächsten: Was tust du hier?
Verwun­dert fragen sich die Leute in des Bischofs Beglei­tung, was er allen dieselbe Frage stellt; warum überhaupt, da er doch sehen kann, was sie tun; und er hält ihnen ja auch keinen Fehler vor, dass sie vielleicht dem Material oder dem Ar­beitsauftrag nicht gerecht würden oder ein­fach bummel­ten.
Der Angesprochene sieht von seinem Werkstück auf und sagt mit strahlendem Gesicht: „wir bauen eine Kathe­drale“.
Der Bischof war´s zufrieden oder auch nicht – er geht weiter und sagt zu seinen Begleitern: Der erste kennt seine Aufgabe und geht ihr gewissenhaft nach. Nur scheint ihm die Freude an der Arbeit zu fehlen.
Der zweite hat das Bild vor Augen vom fertigen Teil. Ob er wohl sich selbst darin sieht, wenngleich er einem anderen Gestalt geben soll?
Der dritte sieht den Zusammenhang und freut sich dabei zu sein. Er wird doch wohl an seinem Stein sorgfältig arbeiten.
Soweit frei erzählt eine alte Geschichte … und zurück zu unseren Fragen: was kann ich gut – was tue ich gern – welchen Sinn hat mein Tun?
Im Epheserbrief, Kapitel 4, die Verse 11-16 steht:
Text lesen
Das Bibelwort aus dem Epheserbrief benennt Verschie­denheit, nennt unterschiedliche Begabungen und Aufga­ben und ordnet sie der Einheit zu, indem diese Vielfalt der Erbauung der einen Gemeinschaft dient.
Im Bild gesprochen: Es geht um die Kathedrale und dass sie gebaut wird und schön wird – sie ist schließlich ein Haus Gottes. Und es geht darum, dass da jede und jeder seinen Platz ausfüllt, sein Teil beiträgt wie Steine behauen. Es wird doch keine Säule fertig, wenn alle nur Kapitelle machen wollen; sondern jedes Teil ist wichtig im Sinne des Ganzen.
Wer die Stifterfigur bearbeitet hat andere Eisen bei der Hand als der, der den Säulenfuß fertigt. Aber auch der Säulenfuß muss doch in die Kathedrale passen und zur Stifterfigur passen.
Im Epheserbrief geht es um Kirche nicht als Steingebäude, sondern als Gemeinschaft. Und in dieser Gemeinschaft gibt es Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten, Lehrer.
Das klingt sehr gleich und alle haben mit dem Wort Gottes zu tun. Aber da ist das Zeugnis der Apostel wie ein festes Fundament. Da Teile heraus zu brechen oder weg zu schlagen, wirkt doch nur zerstörerisch. Also bitte bei dem Zeugnis der Apostel bleiben und es stehen lassen! Ja, und sich nicht selber zum Apostel machen wollen, denn all unser Zeugnis kommt vom Zeugnis der Apostel her.
Propheten bringen den Willen Gottes in einer konkreten Situation zu Gehör. Mahnend, verurteilend, ermunternd oder verheißend. Ihre Rede ist anders als die der Apostel, wiewohl sie sich doch ausgesprochen auf das Wort Gottes und den Geist Gottes berufen. Aber die Situation - die Not, die Angst, das Verbrechen, die Verwirrung usw. führen doch zu einer situationsbestimmten Sprache. Und zur Wahrheit gehören die Worte wie die Situation.
Evangelisten sind doch alle, die das Evangelium von Je­sus Christus weitersagen. Wir alle. Es wäre doch wohl fa­tal, wenn es auf mich beschränkt bliebe, weil es mir mit der Ordination ausdrücklich übertragen wurde. Sondern darin bestand doch der Auftrag Jesu und dazu schickt er alle seine Jünger in die Welt, dass sie das Evangelium ver­kündigen.
Und es gibt Hirten – Pastoren, wenn man es lateinisch sa­gen möchte. Denen ist die Sorge für die Herde aufgetra­gen wo wir eher Gemeindeleitung dazu sagen. Während die Evangelisten zu all den anderen gehen, sind Hirten inner­gemeindlich orientiert.
Schließlich nennt der Epheserbrief Lehrer. Wir nennen das Gemeindepädagogen. Es geht um lebenslanges Ler­nen, vom ers­ten Kennenlernen bei den Kindern über das hoffentlich „verste­hen“ bei Konfirmanden, kritischer Aus­einandersetzung mit dem Zeitgeist bei den Jugendlichen, und eben immer wieder Vergewisserung im Glauben durch die Begegnung mit dem Wort der Bibel und im Bemühen um gläubiges Verstehen.

Wir Sachsen haben zudem Kantoren bzw. allgemeiner Kirchenmusiker. Die kommen hier nicht vor, sind aber aus der jüdischen Gottesdienstfeier bekannt und spielen eine besondere Rolle in unserer evangelischen Tradition.
Fehlmeldung im Bibeltext auch bei Diakonen, dem Dienst der Nächstenliebe und dabei ja eine Verkündigung durch praktische Hilfe. Wobei: in der Jerusalemer Gemeinde be­gann der Dienst der Diakone innerhalb der Gemeinde.

Nun könnten wir streiten, welcher Dienst der Verkündi­gung der „Wichtigere“ ist, bedeutender ist, für uns wohl „dran“ ist. Wir könnten auch diskutieren, wie viel und ob nicht zu viel sich davon bei den Pfarrern konzentriert, die als Hirten, Lehrer, Propheten, Evangelisten wirken sollen. Eine wichtige Gegenwartsfrage scheint mir, wie stark wir als Gemeinde und durch wie viele einzelne Personen wir evangelistisch wirken – das Evangelium zu den vielen Nichtchristen um uns herum. Oder müssen wir zur Kennt­nis nehmen: die haben sich gegen christlichen Glauben entschieden oder bewusst abgewandt? Wie können wir dann interessant und einladend sein, dass wir Neugier we­cken? Wie können wir vielleicht diakonisch present sein und zur erfahrung werden lassen: in der Gemeinschaft der Kirche habe ich ein Zuhasue und bleibe ich „zuhause“.
Ich möchte mich beschränken auf den Impuls vom Bibel­text her, dass nämlich diese „Dienste“ in der Gemeinde aus der einen Quelle fließen, nämlich dem Auftrag durch Jesus Christus in der Kraft seines Geistes. Kurz: sie wur­zeln in Pfingsten. Und sie alle wirken an dem einen Ziel, haben den einen Sinn: dass die Gemeinde erbaut wird – nach innen gefestigt und getröstet und vergewissert und nach außen einladend, wachsend, sich ausbreitend, die Möglichkeiten der Zeit und jede Situation nutzend für die Ausbreitung des Evangeliums.

Nochmal zurück zu den Einstiegsfragen und der Beispiel­geschichte: Wenn wir davon ausgehen, dass „WIR“ mit dem Heiligen Geist erfüllt sind – und zu Pfingsten feiern wir das doch – dann kann und soll das, was wir gut kön­nen, gerne tun und was sinnerfüllt ist, mit dem Geist Got­tes zusammen hängen und aus diesem Geist heraus soll es der Erbauung der Gemeinde dienen. Und ja, da mache ich die Liste der Dienste noch länger: zähle Kirchnerdienst und Technikbetreuung dazu, Besuchsdienst und Fahr­dienst, Verwaltungs- und Friedhofsmitarbeiter, alle die Musik machen und damit nicht Geld verdienen wollen, sondern zum Lob Gottes und zur Freude der Gemeinde musizieren; Kirche renovieren und sauber machen, Plaka­te aushängen und Gemeindebriefe verteilen, Kinder be­gleiten oder Feste organisieren usw. usw. …
Für Ephesus fand es der Briefschreiber wichtig, dass die Vielfalt im Verkündigungsdienst nicht neben- oder gar ge­geneinander arbeitet, sondern als aus der einen Quelle und für das eine Ziel verstanden wird. Und schon hat grund­sätzlich jedes seine Bedeutung und wir arbeiten gemein­sam an dem, was jetzt und hier besonders zu tun ist.
Das bleibt auch für uns grundlegend, auch wenn wir die Liste der Dienste sozusagen erweitern. Schließlich bauen wir alle an einer Kathedrale – nicht aus Stein, sondern als Gemeinde – oder um es mit dem anderen Bild aus dem Bibeltext zu sagen: als Leib Christi.
Amen.

 

Zur Fürbitte – ein Gebet aus Afrika:

Gott, mache unsere Herzen groß,
damit sie groß genug sind, die Größe deiner Liebe anzunehmen.

Mache unsere Herzen weit,
damit sie alle diejenigen im Blick haben, die mit uns zusammen an Jesus Christus auf Erden glauben.

Mache unsere Herzen weit,
damit sie denen begegnen können, die Dich nicht kennen.

Ja, öffne unsere Herzen,
damit sie auch die wahrnehmen, die in unseren Augen nicht liebenswert sind, die wir nicht einmal berühren möchten.
Ja, öffne unsere Herzen.

Mit offenem Herzen möchten wir beten als deine Kinder:
Vater unser im Himmel ...