predigtApg. 16, 23-34 Paulus und Silas im Gefängnis

Liebe Jubelkonfirmandinnen und -konfirmanden,
liebe Gemeinde,
Lukas, der Evangelium schreibende Arzt, erzählt aus der Geschichte der ersten Christen auch vom Aufenthalt des Apostels Paulus in Philippi. Es geht gut los mit der Bekeh­rung von Lydia. Aber als Paulus eine Wahrsagerin zum Schweigen bringt, kommt Unruhe auf und Paulus und sein Begleiter Silas kommen ins Gefängnis.

Lukas schreibt:
lesen: Apg. 16, 23-34

Es ist die Geschichte einer wunderbaren Befreiung und in ihr das Gotteslob. Und einer, der das miterlebt, lässt sich daraufhin taufen.
Da wird uns erzählt, auf welch geradezu wundersame Weise Menschen zum Glauben an Jesus Christus finden.
Denken wir zurück an den eigenen Glaubensweg bis zur Konfirmation, dann war das vermutlich weniger spektaku­lär, aber für die meisten doch schon in der Auseinanderset­zung mit dem DDR-Sozialismus und der Jugendweihe. Und doch gab es auch welche im System Schule, die nicht „gepiesackt“ haben, die es nach außen einfach akzeptiert und nach innen sich vielleicht sogar gefreut haben, wenn je­mand zu seinem Glauben steht, in den er oder sie hinein­gewachsen ist durch die Familie. Da sehen wir vielleicht eher das Wunder darin, dass wir dabei geblieben sind trotz so mancher Versuchung oder Entfremdung, Nachlässigkei­ten oder verworrenen Pfade und Schicksalsschläge. Viel­leicht aber gab es hier oder da ein „heilsames Erschre­cken“, sprich eine Lebenserfahrung, in der bewusst wurde: was ist eigentlich mit meinem Glauben? Was ist denn mein Bekenntnis und welche Folgen hat das für mein Denken, Reden und Tun? Also, wir finden uns wohl nicht so sehr im Kerkermeister der biblischen Geschichte wie­der, es sei denn, wir sehen darin eine dem Paulus und Silas vergleichbare Befreiungsgeschichte.

Bin ich nun Paulus oder Silas? Klar doch, denn wir reden doch auch von unserem Glauben, der Jesus als den Chris­tus bezeugt. Wir bringen doch auch böse Geister zum Schweigen – Wahrsagergeister, die in Wirklichkeit in Ab­hängigkeit bringen und meine Not ausnutzen für ihr Ge­schäft. Klar doch, denn auch wir singen Loblieder, nicht nur heute am Sonntag Kantate – singt, sondern beim Auf­stehen und beim Schlafen gehen, am Mittagstisch und wenn ein Kind geboren wird; auf Arbeit und im Kranken­haus, beim Einkaufen oder Spiel mit den Enkelkindern.
Naja, es mutet schon etwas „verrückt“ an, dass es von Paulus und Silas heißt: sie lobten Gott. Hilfeschreie wä­ren einleuchtend, drängendes Bitten, schmerzhaftes Kla­gen; oder sogar die Frage: warum, Gott? Wir treiben in deinem Namen böse Geister aus und beziehen dafür Prü­gel und landen im Gefängnis?
Das Gotteslob, liebe Gemeinde, entspringt dem Gottver­trauen. Und dieses Gottvertrauen sagt, wie einst Jesus in Gethsemane: nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Es macht das eigene Ergehen nicht zum Maßstab dafür, ob ich glaube oder nicht. Dieses Gottvertrauen glaubt sich geborgen, selbst wenn die Umstände gerade das Gegenteil nahe legen. Und dieses Gottvertrauen lobt Gott – offenbar nicht, weil es mir gut geht, sondern weil Gott eben Gott ist und ich glaube, dass Gott mich nicht vergessen oder gar verworfen hat und ich darum in dieser mißlichen Lage bin, sondern auch wenn es scheint, dass das Böse siegt, glaube ich den liebenden Gott und HERRN über Leben und Tod und über Himmel und Erde, auch über Freunde und Feinde.
Vielleicht sagen wir ja: na solchen Glauben möcht ich haben. Ich bin aber nun nicht solch ein Glaubensheld wie Paulus oder Silas.
Vergessen wir Glaubensheldentum. Das riecht nur nach „Selbsterlösung“ - will sagen: ich schaff das schon. Christlicher Glaube „tickt“ da anders, denn er bekennt: Jesus, der Christus, hat es schon geschafft und ich halte mich einfach an ihn. Egal wann, wie, wo – ich hänge mich an Jesus Christus und glaube die Auferstehung.
Naja, ganz so war es bei Paulus und Silas dann nicht, dass sie auferstanden wären. Aber sie wurden befreit auf wun­derbare Weise.
Darüber, liebe Gemeinde, lohnt sich auch dann und wann nachzudenken und Gott zu loben: solch wunderbare Be­freiungen in der eigenen Lebensgeschichte: befreit von der Angst vor dem Vorgesetzten. Befreit aus dem Zwang, mit­machen zu müssen. Befreit aus dem Druck, mit Leistung bei Gott anzukommen. Befreit aus dem Zweifel, wohin mein Lebensweg mich wohl führt. Befreit – und mit dem Psalmbeter könnten wir sagen: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“
Eines könnte das Gotteslob bei uns auch bewirken: nicht übermütig zu werden, sondern eben Gott alles zuzutrauen und zuzuschreiben. Unser Ding ist nicht die Heldentat, sondern das Gotteslob. Und dann? Überraschen lassen!
Es wäre ja komisch, wenn jedes Gotteslob ein Erdbeben auslöste … aber im übertragenen Sinne vielleicht ja doch: es erschüttert die Übermacht und setzt sie zurück auf ihr menschliches Maß im Gegenüber und in der Verantwor­tung vor Gott. Diese „Erschütterung“ rückt die Dinge wie­der zurecht – zeigt an, wem Ehre gebührt und wem nicht.

Meist ja erleben wir „Erdbeben“ nicht als Befreiung, son­dern als zerstörerische Erschütterung: der Tod eines lieben Menschen; ein Scheitern oder Versagen; versperrte Wege; Zusammenbruch dessen, was ich oder wir aufgebaut ha­ben und wollen.
Aber vielleicht wagen wir einen zweiten Blick oder ein er­neutes Nachdenken über diese „Erdbeben in unserer Le­bensgeschichte“ und was daraus erwachsen ist. Das macht die Prügel und Gefangenschaft nicht nachträglich zum Vergnügen, aber es zeigt sich vielleicht ein Sinn? Das ist nicht ohne Schmerz oder Leid, hört aber darin nicht auf, sondern „öffnet den Himmel“. Und das wünsche ich uns, dass wir „den Himmel schauen“. Und da kommen wir zu­rück zum Gotteslob: so klopfen wir an die Himmelspforte, indem wir als Gott lobende Gott Gott sein lassen und uns IHM anvertrauen, Ihm glauben – auch gegen den Augen­schein.
Und ja, es könnte ein Erdbeben geben und Befreiung. Amen.
Fürbitte:
Lieber Vater im Himmel, wir danken dir, dass wir Jubelkonfirmation feiern können.
Seien es 25 oder 50 oder mehr Jahre – wir haben auf unse­rem Lebensweg deine Güte und Bewahrung erlebt und hier und da auch wunderbare Befreiung, dass wir aus äu­ßeren oder inneren Zwängen heraus gekommen sind.
Davon möchten wir gerne weitererzählen und dir, HERR, unser Lob singen.

Vater im Himmel, wir freuen uns über Schritte zu Ent­spannung und Frieden in Korea. Wir freuen uns über Schritte zu Gewaltlosigkeit und Versöhnung, wo noch Ter­ror und Gewalt, Hass und Krieg Leben zerstören und be­drohen. Wir freuen uns über Schritte, die der Bewahrung deiner Schöpfung dienen. In der Kraft deines Geistes hilf uns Menschen zu sein, die Gemeinschaft fördern und bewahren.

HERR, unser Gott, wir beten für alle, die krank sind, besonders auch unter unseren Mitkonfirmanden. Hilf uns, mit den Fröhlichen zu lachen und mit den Traurigen zu weinen. Hilf uns, dass wir einander und ebenso Menschen in Not nahe sind und helfen.

HERR, unser Gott, wir beten für unsere Gemeinde, unsere Kirche und alle Christen, dass wir miteinander dir das Lob singen und deine Liebe allen Menschen bezeugen in Wort und Tat. Hilf uns in den Wechselfällen unseres Lebens dir zu vertrauen, dich zu loben wie Paulus und Silas im Gefängnis, und lass uns deine Wunder schauen.

Mit den Worten, die Jesus seine Jünger gelehrt hat, sprechen wir gemeinsam:
Vater unser im Himmel ...