predigtKol. 4, 2-4

macht es wohl so schwer, liebe Gemeinde, dass der Apostel mahnt: „Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung! Betet zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir das Geheimnis Christi sagen können, um dessentwillen ich auch in Fesseln bin, damit ich es offenbar mache, wie ich es sagen muss.“
Was hindert am Beten, hält ab vom Beten, lässt uns sagen: „Ich kann nicht beten“?

Beziehungslosigkeit hindert – dieses: „ist mir egal ...“
Wenn kommenden Donnerstag eine Gemeindegruppe nach Middelharnis fährt, wird dies der letzte „offizielle“ Part­nergemeindebesuch sein. Wir verlieren den Status einer Partnergemeinde, weil er nach dem Selbstverständnis der Emmauskerk in der Gemeinde nicht mehr umfassend ge­lebt wird bzw. werden kann. Die einen, die in den 80er Jahren den Kontakt aufgebaut haben, sind um eben diese Jahre älter geworden; und für Jüngere haben sich die Schwerpunkte und Interessen verlagert.
Was freilich gar keinen Rechtsstatus braucht, sondern „nur“ unsere Aufmerksamkeit, ist das Gebet füreinander. Und dazu möchte ich die Gemeinde ausdrücklich bitten und ermutigen. Und genau so wird die geistliche Bezie­hung miteinander bleiben und wachsen, einander helfen und be­glücken.

Beziehungslosigkeit hindert – dieses: „ist mir egal ...“, wenn der Mitmensch mir egal ist. Und da muss ja nicht „der andere“ erst mal eine Brücke bauen, sondern meine Anteilnahme, mein Interesse baut die Brücke für das Ge­bet. Und eines weiß ich, dass nämlich solche Gebets­brücken sehr belastbar sind und andere nicht verletzen. Sie dringen nicht ins Leben des anderen ein, sondern bringen ihn zu Gott und erbitten Gottes Segen.

Beziehungslosigkeit hindert – dieses: „ist mir egal ...“,
wenn mir Gott egal ist. Beten braucht eine Voraussetzung: dass ich glaube. Wenn der Zweifel mir Gott verschüttet und Misstrauen die Beziehung kappt, ja dann kann ich nicht beten – da bliebe mein Reden ohne Gesprächsgegen­über, wäre Selbstgespräch. Beten aber ist doch Rede, oder weiter gefasst Kommunikation mit Gott.
Warum so ausschließlich mit Gott? Weil nichts und nie­mand sonst Anbetung gebührt und ich vor nichts und nie­mand sonst „auf die Knie gehe“ als vor Gott allein.
Gebet als Kommunikation mit Gott braucht also die Beziehung. Weil Gott immer da ist, überall da ist, Gott mich als sein Geschöpf und Kind schon immer sieht und hört und begleitet, darum braucht es von mir aus nur „sich hinwenden“, glauben, Vertrauen wagen, mein Anliegen ihm bringen mitsamt Zweifel und Unglauben. Manchmal ist es geradezu die Not, die die Beziehungslosigkeit zu Gott überwinden hilft, weil ich dann bete. Es kann ebenso gut das Glück sein, für das ich danke.

Beziehungslosigkeit hindert – dieses: „ist mir egal ...“, wenn ich mir selbst fremd bin, neben mir stehe, nicht ansprechbar bin, wenn ich „im Schock“ bin.
Es gibt Not, vielleicht auch Glück, da könnte ich nicht be­ten, weil ich schockiert bin. Es braucht im Schockzustand einen Mitmenschen, der mich anspricht, an die Hand nimmt, die Situation mit mir aushält, dass ich wieder „zu mir finde“. Gemeinschaft hilft zum Beten, indem wir einander behilflich sind, still zu sein, uns Zeit zu nehmen zum Gebet, Lebenssituationen wahr zu nehmen und vor Gott zu tragen. Beziehung zu Gott und zu mir selber wie auch zu Mitmenschen kann sich doch entwickeln, wenn ich mit dabei bin. Bleibe ich für mich selbst, bin ich auf mich selbst geworfen – und wer sollte mich dann hören?
Wenn der Apostel schreibt: bleibt wach im Beten, dann erinnert er an die Gethsemanegeschichte: Jesu Bitte um Gebet und die eingeschlafenen Jünger. Natürlich sind sie in der Situation danach hilflos überfordert, schlagen zu und rennen weg … Beten – Beziehungspflege – ist wie Notfalltraining. Wir brauchen es hoffentlich nie und sind doch „vorbereitet“ - Schockvorbeugung.

Liebe Gemeinde, lasst es uns beherzigen für uns selbst und füreinander und eben auch über die offizielle Partner­schaftsbeziehung mit der Emmauskerk in Middelharnis hinaus, worum der Apostel in seinem Brief an die Christen in Kolossä gebeten hat: „Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung! Betet zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir das Geheimnis Christi sagen können, um dessent­willen ich auch in Fesseln bin, damit ich es offenbar mache, wie ich es sagen muss.“
Amen.
Fürbitte – mit SvH 098 Meine Hoffnung und meine Freude

Vater im Himmel, mit dir reden geht immer und überall und in jeder Situation. In dieser Gottesdienstfeier kommen wir gemeinsam vor dich und singen dir: SvH 098

Das Glück unseres Lebens ist uns nicht selbstverständlich. Je persönlich nennen wir dir, was uns glücklich macht: …

Dir, unserem Gott, singen wir: SvH 098

Die Not lieber Menschen liegt uns auf der Seele, sei es Krankheit oder persönliche Proble­me, schwierige Umstände oder eigenes Versagen. Je persönlich nennen wir dir, Gott, unsere Sorgenkinder: …

Dir, unserem Gott, singen wir: SvH 098

Die Fragen nach Gerechtigkeit und Frieden in der Welt, und die Bewahrung der Schöpfung bewegen uns. Wir sind erschrocken über Hass und Gewalt, Terror und Krieg, Unwahrhaftig­keit und Erbarmungslosigkeit. Je persönlich nennen wir dir, Gott, die Brandherde und Kri­sen: …

Dir, unserem Gott, singen wir: SvH 098

Du, Gott, weißt um unsere Wünsche und Sehnsüchte, unsere Lasten und Schwierigkeiten. Je persönlich nennen wir dir, Gott, unser eigenes Herzeleid: …

Dir, unserem Gott, singen wir: SvH 098

Deine Kirche sein, Zeugen des Evangeliums sein, unsere Sendung in die Welt leben und dei­ner Liebe Gestalt geben – das sollen und wollen wir, aber es geht ja nur in der Kraft deines Geistes. Je persönlich bitten wir dich, Gott, um den Heiligen Geist in unserem Leben: …

Dir, unserem Gott, singen wir: SvH 098

Dir, dem dreieinigen Gott, Vater Sohn und Heiligem Geist, sei Lob und Ehre, Dank und Anbetung jetzt und in Ewigkeit. Amen.