predigt

Offb.1,4-8
„I have a dream“ - mit diesen Worten beginnt eine der vielleicht doch berühmtesten Reden der Geschichte. Martin Luther King Jr. spricht dann von dem Tag, an dem Schwarze und Weiße versöhnt miteinander leben; dass Menschen nicht beurteilt werden nach Äußerlichkeiten wie ihrer Hautfarbe, für die sie persönlich nichts können, sondern nach ihrem Charakter; jenem Tag, an dem Hass von Liebe überwunden und Friede ist und Freude am Leben. „I have a dream“ - sagt Martin Luther King Jr.
Und was ist dein Traum? Wovon träumst du? Was ist dein sehnlicher Wunsch, geheime und vielleicht unheimliche Motivation für das eigene Handeln?


Ich kenne von zumeist inzwischen alten Menschen das Motiv: unseren Kindern soll es besser gehen als uns. Sie sollen in Frieden leben können und nicht hungern müssen. Ja, sehr elementare Lebensbedürfnisse sollen erfüllt sein: Friede und Wohlstand.
Was viele aus dieser Generation nicht ahnten: der europäi­sche Nachkriegsaufschwung war nicht nur deutsche Wert­arbeit, wiewohl auch das, aber eben auch „Ungerechtig­keit“ und „zu Lasten der Umwelt“.
Nehmen wir die Initiatoren der Wende in der DDR, dann ging es um Bewahrung der Umwelt, persönliche Freiheit und ein friedliches Miteinander, das nicht mit Hochrüs­tung und Abschreckung zu erreichen ist, sondern nur mit gemeinsamer Sicherheit. Dass dann Menschen vor allem auf der Südhalbkugel unseres Planeten darauf aufmerksam machten, dass wir bitte erst einmal für Gerechtigkeit sor­gen mögen, weil nur dann Friede sein kann, war für man­che „verstörend“, hat dem konziliaren Prozess aber doch die Schwerpunktsetzung verliehen: Gerechtigkeit – Frie­den – Bewahrung der Schöpfung.
Träume oder Träumer 1963 und 1989 – und wovon träumst du heute, 2018?

Ich lese uns einige Verse aus der Offenbarung des Johan­nes, geschrieben am Ende des 1. Jh. nach Christi Geburt in Kleinasien – und gerichtet an die Christen und Gemeinden in der heutigen Westtürkei – damals alles römisches Reich und in diesem Gebiet wurden Christen verfolgt. Johannes, der Schreiber, war Pfarrer, um einen heutigen Be­griff zu gebrauchen. Und man meinte wohl, dass man die­sen religiösen Spuk, genannt Christentum, ausrotten könnte mit der Taktik: nimm ihnen den Pfarrer weg, dann verläuft sich das Ganze …
Johannes kann nun am Sonntag nicht mit der Gemeinde Gottesdienst feiern, aber er betet und „sieht“ die Zukunft und beschreibt dann Schreckliches, was wir bis heute als apokalyptische Szenarien verstehen. Aber Johannes erin­nert zugleich an Himmelfahrt Christi – naja, nicht so di­rekt und wörtlich, aber in der Sache, dass nämlich Jesus, der Christus, Herr der Welt und Herr der Geschichte ist. Das gruselige Gehabe der Herrscher dieser Welt kann viel Unheil anstellen, aber den Herrn Himmels und der Erde nicht treffen. Für die Christen freilich kann es schlimmste Verfolgung bedeuten. Johannes redet da nicht drumherum, sondern erinnert angesichts dessen den erhöhten Christus.
Hören wir, was er am Beginn seines Briefes schreibt – Kap.1, die Verse 4-8:
Text lesen

Johannes sieht den kommenden Christus alles überragend am Himmel. Es ist für seine Feinde und alle Christenver­folger natürlich ein schreckliches Bild. Der, den wir ver­folgt haben und dessen Namen wir auslöschen wollten, der erscheint am Himmel und überragt alles, was auf der Erde ist. Sein Erscheinen macht den Widersachern ein Ende. Für alle, die Jesus, den Christus glauben, löst es größten Jubel aus. ER kommt. Unser HERR kommt. Und nicht nur wir glauben ihm, sondern nun ist er in all seiner Herrlichkeit offenbar geworden und ist unumstößlich und unübersehbar der HERR. Jesus von Nazareth, der Gekreu-zigte, der ist der auferstandene HERR und der wiederkom-mende HERR. Den Christen macht dieses Erscheinen keine Angst, denn es kommt doch der, der sie liebt und erlöst hat von ihren Sünden mit seinem Blut.
Im Gebet versunken sieht Johannes dieses Christusbild. Ein Traumbild, könnte man sagen, denn die Gegenwarts­erfahrung ist die der Verfolgung und scheinbaren Über­macht des Antichristen. Für Johannes aber ist es Glau­bensgewissheit. Der Tag wird kommen. Dieser Tag wird kommen, weil Jesus Christus der Allmächtige ist. In der Erfahrung von Verfolgung und Leid ist das Trost und Hoffnung. Johannes schreibt davon den Gemeinden Klein-asiens – und wir hören es heute.

Und wovon träumst du? Dass Wünsche endlich in Erfül­lung gehen? Dass endlich, endlich Gerechtigkeit und Frie­den zur weltweiten Erfahrung werden und wir nicht mehr bei Grabsteinen nachschauen müssen, ob sie wohl mit schlimmster Kinderarbeit auf den Markt gekommen sind; oder dass man mit Leben zerstörenden Drogen und Waffen die besten Geschäfte macht; oder dass Profit und Rendite oberstes Ziel sind statt Mitmenschlichkeit?
Träumst du auch davon, dass Menschen mit Freude emp­fangen und angenommen werden; dass sie sich frei entfal­ten und entwickeln können und mit ihren Begabungen ih­ren Mitmenschen ein Segen und Gott zur Ehre gereichen; dass die freie Wirtschaft nicht eine zu meinem Vorteil ist, sondern Ausdruck des gemeinsamen Weges; dass die Dik­tatoren und Kriegsherren, die Schönredner und Schwarz­maler, Ideologen und Verführer endlich ihr Handwerk ge­legt bekommen; dass wir in Frieden reisen, mit Freude einander begegnen, im Schweiße des Angesichts tatsäch­lich unser Brot essen können; dass wir einander verstehen, weil wir die Sprache der Liebe sprechen?
Was ist dein Bild am Himmel, von dem her Kraft zur Wahrhaftigkeit kommt, Mut zu Gerechtigkeit, Verpflich­tung zum Frieden, Anbetung Gottes statt irgendwelcher Götzen; von dem dein Menschsein seine Würde aber eben auch seine Begrenzung hat? Wovon träumst du?

Wenn wir heute Himmelfahrt Christi feiern, dann erinnern wir uns und bekennen vor aller Welt als unseren Traum: Wir werden nicht einknicken vor Hass und Gewalt, Krieg und Verfolgung, Zerstörung und Ausbeutung, Boshaftig­keit und Lüge, Einschüchterung und Widerwärtigkeiten. Nein, wir sehen das Christusbild am Himmel und glauben ihm und wollen uns von seinem Geist bestimmen lassen. Früchte, die daraus erwachsen, sind Glauben und Freude, Güte und Erbarmen, Gerechtigkeit und Friede, Sanftmut und Geduld. Das ist blühendes Leben wie die frische, grüne, blühende Natur um uns herum.
Amen.